Dienstag, 5. Mai 2015

So wurde geheiratet – Corina + Timo

Theoretisch gibt es viele Dinge, die eine Hochzeit zu einem gelungen Fest machen. Praktisch kommt dann aber vieles anders als man denkt und was als Highlight gedacht war, geht als Nebenschauplatz unter, während sich der spontane Hochzeitstanz zum Höhepunkt des Festes etabliert, ganz von alleine. Ein Fest zeigt seine Qualität eben erst beim Feiern. Zum Glück haben ja schon einige Menschen vor euch eine Hochzeit gefeiert. Warum also nicht auf deren Erfahrungswerte zurückgreifen! Wir haben bei unseren verheirateten Freunden genau nachgefragt:

Diesmal: Corina + Timo

Corina und Timo gaben sich im Dezember 2012 das Ja-Wort, allerdings nicht in der Kälte Mitteleuropas sondern an einem Strand. „Eine klassische Hochzeit auf dem deutschen Standesamt kam für uns nicht in Frage, wir wollten Sonne, Strand, Entspannung. Und da wir jedes Jahr wenigsten für kurze Zeit dem Berliner Winter entfliehen, war schnell klar, dass wir Urlaub und Hochzeit verbinden werden – die Jahreszeit war somit gesetzt. Beim Bestellen der Trauringe fragte uns die nette Schmuckberaterin, welches Datum sie gravieren solle. Wir hatten noch nicht gebucht und verzichteten daher auf die Gravur, aber ihre mahnenden Worten nahmen wir uns zu Herzen: „Wenn schon im Winter, dann doch wohl nicht im Januar oder Februar! Das wäre doch ökonomischer Unfug!“, erklärt Corina den Termin.

Corina, wieviel Zeit habt ihr euch für die Vorbereitung dieser aussergewöhnlichen Hochzeit genommen?

Ein Monat.

Von wem aus dem Familien- und Freundeskreis habt ihr bei den Vorbereitungen Hilfe bekommen?

Die Vorbereitungen waren nicht allzu aufwendig, daher war keine Hilfe nötig.

Wieviele Gäste waren in der ersten Planung angedacht und wie viele waren dann tatsächlich auf eurer Hochzeit?

Geplant: 0
Anwesend: 2 – Wie sich herausstellte, sind Trauzeugen in dem Inselstaat pflicht. Mary und Raj vom Hotel waren so nett uns auszuhelfen.

Wo genau hat die Hochzeit statt gefunden?

Die Trauung selbst fand auf dem weißen Sandstrand mit Blick auf den indischen Ozean statt. Nachmittags gab es Schokotorte im Bett, abends Candle-Light-Dinner auf dem Balkon.

Könnt ihr euch noch erinnern, was ihr euren Gästen serviert habt?

Unsere „Gäste“ bzw. Trauzeugen haben lediglich am Champagner genippt und sich gleich nach der Zeremonie dezent zurückgezogen.

Wieviel hat eure Hochzeit gekostet und was war die beste/unnötigste der Ausgaben?

Die Hochzeit an sich hat nicht außerordentlich viel gekostet, auch haben wir auf Hochzeitskleid und Anzug verzichtet – am Strand geht nichts über Sommerkleid und Flip-Flops. Insgesamt haben wir uns bei dieser Reise aber schon mehr gegönnt als bei bisherigen Urlauben.

Welche Kosten kamen während der Hochzeitsplanung überraschend auf euch zu bzw. welche Kosten hattet ihr nicht bedacht?

Da unsere Koffer auf dem Hinflug verloren gingen, mussten wir uns zunächst beim örtlichen Plagiate-Shop mit Bermuda-Shorts, Strandkleid & Co. eindecken. Einen Tag vor der Trauung kam unser Gepäck dann doch noch an, und es blieb uns erspart in diesen gefälschten Markenklamotten vor den Traualtar zu treten.

Gab es Unterhaltungsprogramm?

Das vom Hotel angebotene Ukulele-Trio lehnten wir dankend ab. Stattdessen wählten wir lieber vormittags Entspannung am Strand, kurz vor der Trauung ging’s noch zur Massage ins Spa und zum Abschluss gab es abends ein Rosenblütenschaumbad.

Was war die beste oder schönste Idee auf eurer Hochzeit?

Die schönste Idee war es, uns ganz auf uns zu konzentrieren. Den ganzen Vorbereitungsstress haben wir somit gestrichen, Gästelistengrübelei – gestrichen, Tischordnung – gestrichen, Fragen zu Blumenschmuck, Deko, Buffet, Unterhaltungsprogramm, Musik, etc. – gestrichen. Unser Hochzeitstag selbst gehörte ganz uns beiden – das war perfekt.

Welchen Teil der Hochzeitsfeier habt ihr besonders genossen?

Das ist eine schwierige Frage, da der gesamte Tag einfach wunderschön war.

Würdet ihr das Fest noch mal feiern: was würdet ihr bei der Planung anders machen?

Ich denke, ich kann hier für meinen Mann und mich sprechen und wir würden alles genauso wieder machen.

Vielen Dank!


Sonntag, 12. April 2015

Vergiss (nicht das) Marihuana!

Claudia und Sebastian, beide Anfang dreißig. Sie ist Kuratorin in einer renommierten Galerie. Er ist ein gut gebuchter Bassist. Genauso klischeehaft wie die beiden sind, ist ihr Freundeskreis. Journalisten, Musiker, Maler, Autoren und Lebenskünstler gehören dazu. Wenn sie sich mit ihren Freunden auf eine Flasche „ausgezeichneten Roten“ treffen, dann trinken sie wirklich nur diese eine Flasche Wein, 10 Liter Wasser und rauchen dabei einen Grasjoint nach dem anderen. Geile und sinnlose Ideen entstammten diesen Abenden, Lachkrämpfe über ein Foto und ehrliche Gespräche über sich selbst.

Claudia und Sebastian wollen heiraten, wollen aber auf ihre kiffenden Freunde nicht verzichten. Andererseits sollte bei der Hochzeit schon Tante Alma und die restliche Familie dabei sein. Auch schmeckt den beiden Alkohol nur in kleinen Mengen, als geschmackliche Untermalung zu ihrem Joint. Claudia und Sebastian sind mit ihrem Problem an uns herangetreten: Können wir unsere kiffenden Freunde UND die Familie einladen? Wenn ja, bitte liebe „Vergiss Franck“ - Redaktion sagt uns, wie wir das Alkohol- und das Familien/Freunde-Problem lösen können.

Liebe Claudia, lieber Sebastian,

selbstverständlich helfen wir euch gerne!

Ein wichtiger Bestandteil einer Hochzeit ist das zwischenmenschliche Verständnis. Manche Gesellschaftsdrogen lösen bei ihren Konsumenten aggressives Verhalten, geistige Entgleisungen und/oder völliges Aussetzen der gesellschaftlich als notwendig anerkannten Körperfunktionen, welche zur Kommunikation notwendig sind, aus. So manche Hochzeit endete mit einer Schlägerei am Parkplatz.

Ihr müsst bei der grundsätzlichen Planung auf nichts besonders acht geben. Das einzige ist, dass genug „Jamaican Purple“ oder eine andere bevorzugte Sorte besorgt wurde.

Bei den Einladungen achtet darauf, dass diese in ca. 2,5 cm x 5 cm großen Flächen vorperforiert sind. Damit gewährleistet ihr, dass eure Gäste die Einladungen immer bei sich tragen und durch ständige Verwendung der Einladung als Blättchen an die Hochzeit erinnert werden.

Wenn ihr nicht möchtet, dass eure Trauung durch gegacker bis hin zu hysterischen Lachkrämpfen unterbrochen wird, verzichtet auf die Kirche. Ein singender Pfarrer in großer roter Robe kann zu ungeahnten Ausbrüchen führen!

Um euren Gästen eine Freude zu machen, könnt ihr Canabisblätter ins Brautbouquet binden lassen (Brautstraußwerfen), aber auch ein einzelnes Blatt als Ansteckblume verwenden, welche später von den Gästen geraucht werden kann.

Nach dem Standesamt, bietet euren Gästen bei der Agape zum klassischen Wein und Brot, vorgerollte Joints und Graskekse an. Achtet bitte darauf, dass immer genug Fruchtsäfte, Sitz- und Tanzplätze vorhanden sind.

Von Hochzeitstafeln an oder im Umkreis von Weizenfeldlabyrinthen ist abzuraten, wenn ihr eine vollständige Gästeliste bis zum Ende der Hochzeit gewährleisten wollt*.

Die Speisenfolge kann ganz normal sein solange in jedem Gang Schokolade vorkommt. Beginnend mit einem Schoko-Fondue, gefolgt von frittierten Marsriegeln und als Dessert Smarties in Schokopudding, jeweils mit einer Brise feinstgegrindetem „Jamaican Purple“ und ihr befriedigt voll und ganz das Verlangen aller eurer Gäste. Fruchtsäfte und Tee nicht vergessen!

Nicht zu unterschätzen, ist die befriedigende Wirkung des Hochzeitsessens. Achtet deshalb bei der Tischordnung darauf, dass eure kiffenden Gäste gemischt mit den ich-hab-nur-einmal-gekifft-und-nichts-gespürt Gästen sitzen. Zu einer kleinen Einführung im Gebrauch von Bongs, Tüten und Space-Cakes wird jeder eurer Freunde gerne bereit sein. Und nachdem Josef (der abstrakte Maler und Performance-Künstler) einen satten Zug von der, auf jedem Tisch eingestellten und vorbereiteten Bong gemacht hat, und Großonkel Fred genüsslich sein drittes Keks gegessen hat, entwickeln sich interessante Gespräch, nicht nur zwischen eurer Freunde:

„Hätte Claudia Sebastian, auch dann kennengelernt, wenn er nur drei Minuten später an der Tankstelle gewesen wäre? Ich meine, ist es das Schicksal zweier Menschen sich zu treffen und wir können uns nur überraschen lassen wann es passiert? Oder war das Zeitfenster für die beiden nur 12 Minuten offen? Stell dir vor, er wäre im Auto sitzen geblieben und im Radio hätte es gerade einen Klassiker, wie von Led Zeppelin "Babe I'm Gonna Leave You“ oder so gespielt. Da kann man schon mal sitzen bleiben und zuhören. Die Nummer dauert ja auch fast sieben Minuten lang. Aber nein, das Schicksal spielte Dieter Bohlen und zwang Sebastian aus dem Auto, sonst hätte er Claudia nie kennengelernt. Wahnsinn wie glücklich die beiden sein können, sich innerhalb von 12 Minuten gefunden zu haben, Wahnsinn.“

„Ja Tante Alma und ich wollte dir sagen, das ich dich lieb hab und dass ich es dir viel zu selten sage.“

„Ich weiß, mein Junge. Gibst du mir bitte noch ein Keks rüber?“

Seltsame Verbrüderungen fänden statt:

„Weißt du, obwohl du der Vater meiner Schwiegertochter bist, hab ich dich immer für ein Arschloch gehalten. Aber heute sehe ich dich irgendwie mit anderen Augen. Ich fühl mich dir in unsere Rolle als Vater so verbunden..... so nahe...... und ….und….es tut mir leid, dass ich so über dich gedacht habe.“

„Du hast das größere Auto, das größere Haus und du verdienst mehr als ich und ich schwöre bei Shiva, seit meine Tochter deinen Sohn zu mir nach Hause schleppte, war ich neidisch auf jeden deiner Wochenendtrips nach Paris, auf dein weißes Cabrio und sogar auf deinen Hund, weil der ein schöneres Fell hat, als unserer. Aber heute sehe ich den Menschen Karl in dir und ich weiß wir wollen nur das beste für unsere Kinder. Und jetzt gib verdammt nochmal den Joint weiter du Kapitalist.“

Einer der Vorteile dieser Art von Hochzeit ist es auch, dass unlustige Hochzeitsspiele nun ein echter Bringer sind, vorausgesetzt das Hochzeitsspiel wird nicht angekündigt sondern einfach durchgeführt. Beginnt einfach damit und in wenigen Minuten spielt der ganze Saal mit. Völlig egal welches Spiel es ist.

Einziger Leidtragender wäre der Wirt. Durch die alternative Drogenwahl setzt der Gastronom verständlicherweise weniger um. Um dies auszugleichen, soll er hochwertige Pfirsich-, Marillen-, Erdbeer-, Apfel- und Birnensäfte feil bieten, bei dem das 1/8l auch 2,50 kostet und es wert ist.

Bei Musik gilt grundsätzlich was gefällt. Trotzdem solltet ihr euren „Anfängern“ die Möglichkeit zu Bob Marley tanzen zu können, bieten. Erinnert euch in diesem Moment einfach an euer „erstes Mal“.

Mit diesen Tipps habt ihr mit Sicherheit eine schöne und friedliche Hochzeit. Die vernünftige Alternative zu Alkohol macht die Menschen verständnisvoller, friedlicher und toleranter. Was wünscht man sich für seine Hochzeit mehr?

Nur leider will das unser Gesetzgeber nicht. Wir wünschen euch trotzdem ein schönes Hochzeitsfest!


*Von ähnlichen Festen in Weizenfeldlabyrinthen wurde berichtet, dass sich kiffende Gäste bis zu sieben Stunden im Labyrinth verirrt hatten. In diesem Labyrinth machte der ortsansässige TÜV aus Sicherheitsgründen vor der Eröffnung einen Test mit zwei Fröschen. Diese hatten den Ausgang nach vier Minuten gefunden.

Bild: pixelio.de/Rike

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Ihr habt noch nicht genug gefranckt? Dann lest einfach hier weiter:

* Heiraten 2.0!
* Vergiss den DJ!

Mittwoch, 4. März 2015

Vergiss das Spielzeug nicht!

Neulich bei der Redaktionssitzung, in der Küche...

RedakteurIn 1 (über die Schulter nach hinten in Richtung Küchentisch sprechend): „...ich schreib das mit der Kindergärtnerin bei der Hochzeit“

RedakteurIn 1a (über die Schulter nach hinten vom Kaffeetisch aus in Richtung Kühlschrank sprechend): „Das haben alle anderen auch schon geschrieben und alle Brautpaare wissen das. Wenn jetzt jemand noch keine Kindergärtnerin auf seiner Hochzeit hat, dann will der vielleicht einfach keine Kindergärtnerin auf seiner Hochzeit haben. Aus welchem Grund auch immer. Das darfst du nicht persönlich nehmen."

RedakteurIn 1 (jetzt auch am Küchentisch sitzend und eine Tasse Tee durch die zugespitzten Lippen schlürfend): „Ich will ja nicht die Tausendste sein, die über die naheliegendste aller Ideen schreibt, dass nämlich eine Kindergärtnerin eine total innovative Idee auf einer Hochzeit ist."

RedakteurIn 1a: „Sondern?“

RedakteurIn 1: „Na, dass die Leute mit Kindern nicht vergessen dürfen, jede Menge Spielsachen mitzubringen, damit eine Art „spieltechnischer Image-Transfer“ passiert.“

RedakteurIn 1a (lacht): „Spieltechnischer Image-Transfer? Sag mal spinnst du jetzt völlig? Außerdem ist das echt noch lange kein erwähnenswerter Beitrag.“

RedakteurIn 1a: „Es soll ja auch als Erinnerung gedacht sein“

RedakteurIn 1: „Was war die Erinnerung nochmal, über die du schreiben wolltest?“

RedakteurIn 1a: „Dass jeder, der ein Kind mitnimmt zu einer Hochzeit, dass der auch jede Menge Spielsachen mitnehmen soll, auch wenn für eine Kinderbetreuung gesorgt ist. Auf der Einladung soll auf jeden Fall stehen, dass für Kinderbetreuung „von – bis“ gesorgt ist und dass sie viele Spielsachen mitnehmen sollen, damit ein „spieltech... “

RedakteurIn 1 (lachend): „Ja,Ja, hab es schon verstanden. Es ist trotzdem zu wenig für eine Kolumne.“

RedakteurIn 1a: „Blog“

RedakteurIn 1: „Was?“

RedakteurIn 1a: „Blog!“

RedakteurIn 1: „Na gut, dann eben Blog. Trotzdem ist es zu wenig Und: das mit den Spielsachen weiß w i r k l i c h J E D E R “

RedakteurIn 1a: „Sieh dich um bei den Hochzeiten. Anscheinend nicht.“

RedakteurIn 1 (jetzt mit verständnisvollem Blick): „Anlassbezogen?“

RedakteurIn 1a: „Ja, letztes Wochenende. Die unterbespielzeugten, schreienden Kinder führten das Hochzeitsfest an den Rand des Abbruchs – trotz Kindergärtnerin. Aber die kann auch nur eine übersichtliche Zeit mit den Fingern und Zehen spielen oder Lieder singen. Dann muss sie auch auf herkömmliches Spielmaterial zurückgreifen. Arm waren die kleinen Idioten, nur weil die Eltern zu blöde waren, Spielsachen für die Kids mitzunehmen."

RedakteurIn 1: „Nenn die Leser nicht blöd und deren Kinder nicht „kleine Idioten“ und außerdem übertreibst du.“

RedakteurIn 1a: „Nein“

RedakteurIn 1: „Nein, was?“

RedakteurIn 1a: „Ich übertreibe nicht ...“

RedakteurIn 1: „Noch Kaffee?“

RedakteurIn 1a: „Gerne...“

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Was wir sonst noch zu sagen haben? Einfach mal hier nachlesen:

* Vergiss den Sommer-Termin!
* Hochzeit 2.0